KOMMANDO DER GRENZTRUPPEN 

Bitte beachten Sie, dass die militärische Organisation und Gliederung der GT nicht in einem abgeschlossenen Zeitrahmen erschaffen wurde. Vielmehr ist das Organisationsgebilde über Jahrzehnte gewachsen und einem stetigen Wandel und der damit verbundenen Umorganisation unterworfen gewesen. Bei den hier erfolgten Standortnachweisen geht der Verfasser von den Dislozierungen zu Mitte der 1980`er - also zur Zeit der Rückführung aus der Bataillons- in die Kompaniesicherung an der Staatsgrenze zur BRD Jahre - aus. Die folgenden Abbildungen können aus anderen Zeiträumen sein. Für Korrekturen und weiterführende Präzisierungen dieser Angaben ist der Verfasser dankbar und bittet um Ihre Mithilfe.

    

Kommando der Grenztruppen, 1601 Pätz bei Königswusterhausen, An der F179, PF 16601 (Siegelcode 908)                                                                                                                                                                           

Bronzestatue "Grenzposten" von Frank Diettrich (1969) im Hof des Gebäudekomplexes des KGT in Pätz. Rechte Abbildung, der Rechteckstempel des KGT für Briefumschläge in der letzten Ausführung von 1990. (Privatarchiv d. Verf.)  

Hauptzufahrt zum Dienstgelände des KGT am Tonsee nord-östlich von Pätz an der ehem. F 179 (heute B 179) zw. Königs Wusterhausen und Märkisch Buchholz. Das Foto zeigt die Objektzufahrt im März 1997, das Gebäude wurde 2003 abgerissen. (Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Privatsammlung B.Dr.)

 

Unterstellungsverhältnisse 1946-1990:

 

Zeitraum

 Unterstellung

 Bezeichnung

 01.12.1946 Landespolizeibehörde unter Leitung der Hauptabt. Grenzpolizei (HAGP) Grenzpolizei
 15.11.1948 DVdI Grenzpolizei
 20.07.1949 Landespolizeibehörde Grenzpolizei
 01.01.1951 HV DVP - "Hauptverwaltung Deutsche Volkspolizei" Grenzpolizei
 16.05.1952 MfS DGP
 01.08.1953 MdI - "Hauptverwaltung Deutsche Grenzpolizei" DGP
 01.04.1955 SfS - "Hauptverwaltung DGP" DGP
 29.10.1956 MfS - "Hauptverwaltung Innere Sicherheit" DGP
 01.03.1957 MdI - "Kommando Deutsche Grenzpolizei" DGP
 15.09.1961 MfNV - "Kommando Grenze" Grenztruppen
 01.01.1974 NVA - "Grenztruppen der DDR" Grenztruppen
 13.01.1990 Ministerium für Innere Angelegenheiten Grenzschutz
 21.09.1990 Auflösung der Grenztruppen Grenzschutz

 

Chef des Kommando (GP / DGP / GT): 

 

  • 1946 - 12. Juli 1948  - Chefinspekteur Josef Schütz (HAGP)
  • 13. Juli 1948 - 15. September 1949 - Chefinspekteur Hermann Rentzsch (DVdI) 
  • 20. Juli 1949 - 15. September 1949 - Chefinspekteur Max Zaspel (DVdI)
  • 16. September 1949 - 31.12.1949 - Chefinspekteur Josef Schütz (HVDVP) 
  • 1. Januar 1950 - 30. September 1950 - Chefinspekteur Hermann Schuldt (HVDVP)
  • 1. Oktober 1950 - 30. September 1951 - Inspekteur Erich Kurschinski (HVDVP)
  • 1. November 1951 - 31. Juli 1952 - Chefinspekteur Richard Smolorz (MfS) 
  • 1. September 1952 - 30.04.1955 - Generalmajor Hermann Gartmann (MdI)
  • 1. Mai 1955 - 28. Februar 1957 - Oberst Heinrich Stock (SfS) 
  • 1. März 1957 - 15. Mai 1957 - Generalmajor Hermann Gartmann (MdI)
  • 16. Mai 1957 - 14. Mai 1960 - Generalmajor Paul Ludwig (MdI)
  • Januar - Mai 1960 - Generalmajor Borufka m.d.F.b
  • 15. Mai 1960 - 31. Juli 1979 - Generaloberst Erich Peter (MfNV) 
  • 1. August 1979 - 31. Dezember 1989 - Generaloberst Klaus-Dieter Baumgarten (MfNV) 
  • 1. Januar 1990 - 30. September 1990 - Generalmajor Dieter Teichmann (MfAV)
  • 1. Oktober 1990 - 2. Oktober 1990 - Oberst Jürgen Hörnlein (MfAV) 

 

Beispielhaft für die oben stehenden Führungskräfte folgender Lebenslaufs des Chef der DGP Oberst Hermann Stock:

 

Der Sohn eines Bergmanns absolviert nach Besuch der Volksschule von 1931 bis 1935 eine kaufmännische Lehre. Nach kurzer beruflicher Tätigkeit tritt er in die neu gegründete Deutsche Wehrmacht 1935 ein. Ab 1939 leistete er seinen Frontdienst bis er als Oberfeldwebel 1944 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet. In der sowjetischen Gefangenschaft besucht Stock eine Antifa-Schule.

Nach seiner Entlassung in die SBZ im Jahr 1946 wird Stock Mitglied der SED und Angehöriger der Deutschen Volkspolizei in der Polizeiinspektion Gera. 1947 und 1948 wird er als Kommandeur der Grenzpolizei Thüringen bzw. Kommandeur der Grenzabteilung Benneckenstein im Harz eingesetzt. Von 1949 bis 1952 ist er Chef des Stabes der HAGP i.d. DVdI bzw. des MdI. Nach der Eingliederung der GP in das MfS im Mai 1952 wird er als Oberst bis 1953 Chef des Stabes der HVDGP. Von 1953 bis 1954 besuchte er einen Lehrgang an der neugegründeten Schule der KVP in Dresden.

Anschließend wird er 1954/55 1. Stellvertreter des Leiters der HVDGP im MdI. Am 1. April 1955 wird mit Befehl 6/55 des Ministers des Innern die DGP vom MdI an die Staatssicherheitsbehörde (SfS) wieder unterstellt. Stock ist vom 1. April 1955 bis 28. Februar 1957 Leiter der Hauptverwaltung Deutsche Grenzpolizei (Nachfolger von Hermann Gartmann), die von Dezember 1956 bis Februar 1957 als Verwaltung Grenzpolizei in der Hauptverwaltung Innere Sicherheit im MfS bezeichnet wird. Am 1. März 1957 wurde das Kommando Deutsche Grenzpolizei unter der erneuten Führung von Hermann Gartmann in Pätz bei Königs Wusterhausen aufgestellt und Stock wird als sein Stellvertreter eingesetzt. Von 1962 bis 1965 ist Stock Kommandeur der 9. GB in Erfurt und von 1965 bis 1969 Kommandeur der Offiziersschule der GT in Plauen. Danach ist er Gehilfe des Militärattachés der DDR - Rudolf Menzel - in der Sowjetunion.

Nach seiner Reserveversetzung arbeitete Stock in der staatlichen Fluggesellschaft „Interflug“. Er verstirbt im Alter von 60 Jahren unerwartet als Oberst d.R. und findet seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Baumschulenweg in Berlin. 

Oberst Hermann Stock - Leiter der HVDGP (Nachfolger von Hermann Gartmann, auf dem Foto 2.v.l) am Rednerpult der 3. Deligiertenkonferenz der DGP am 6. März 1956. Am 1. März 1957 wurde das Kommando Deutsche Grenzpolizei unter der erneuten Führung von Hermann Gartmann aufgestellt und Stock wird als sein Stellvertreter eingesetzt (Privatartchiv d. Verf.)

 


 

Die Grenzpolizei der SBZ 1945-1949

Die nachkriegsbedingten Not zeichnete sich sowohl an den äußeren Grenzen Deutschlands als auch an der Demarkationslinie durch erhöhte Kriminalität, Schmuggel und Schiebergeschäften ab. Neben den für die Grenzsicherung verantwortlichen Einheiten der Besatzungsmächte wurden unmittelbar nach Kriegsende in den einzelnen Ländern deutsche Polizisten als Hilfskräfte für die drängenden Kontroll- und Sicherungsmaßnahmen an den Grenzen herangezogen. Der Alliierten Kontrollrat verfügte schon im September 1945 die Sperrung und Kontrolle der Demarkationslinie und machte den Übertritt formal erlaubnispflichtig. Die als Hilfsorgan der SMAD seit Spätherbst 1946 durch die Landespolizeibehörden der fünf ostdeutschen Länder gebildeten und den Kommandeuren der Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland (GSBT) operativ unterstellten GP-Einheiten erhielten an der Ostgrenze wie an der Demarkationslinie ihre Aufgaben zur Ordnung des Grenzverkehrs und zur Verhinderung des illegalen Überschreitens. Auch in Niedersachsen, Bayern und Hessen wurden gleichartige Formationen aufgestellt. Insbesondere an der Trennlinie zu den osteuropäischen Nachbarn bereiteten - neben dem blühenden Schwarzhandel und den großen Umsiedler- und Flüchtlingsströmen - über die Grenze hinweg operierende organisierte Banden und politische Widerstandsgruppen besondere Herausforderungen. Parallel ist die Fahndung nach Kriegsverbrechern, die die Zonenüberschreitung nutzen wollen, um ihrer Strafe zu entgehen, ein wichtiger Bestandteil der Kontrollaufgaben.  Die SMAD erlässt im Land Thüringen am 25. November 1946 eine Anweisung an das Landespolizeiamt, in der es heißt; „...die Grenzpolizei an der Demarkationslinie, die Thüringen mit der englischen und amerikanischen Besatzungszone  besitzt, aufzubauen…“. Am 1. Dezember 1946 entstand eine Grenzpolizei mit 2.543 Angehörigen, die jedoch landesbasiert große quantitative und qualitative Unterschiede in Gliederung und Struktur aufwies, so entstanden in: 

  • Mecklenburg (375 Angehörige) - 4 Stabsgruppen mit 41 Gruppen und Stützpunkten
  • Brandenburg (205 Angehörige) - 4 Grenzschutzstützpunkte mit 7 bis 10 Grenzschutzposten mit je 5 Grenzpolizisten
  • Sachsen-Anhalt (300 Angehörige) - 3 Abschnitte mit je einem Stützpunkt zu 9 Posten mit je 10 Grenzpolizisten
  • Thüringen (892 Angehörige) - 2 Gruppen mit Abschnitten mit jeweils 11 bzw. 12 Gruppenposten mit je 9 Grenzpolizisten
  • Sachsen (771 Angehörige) - 4 Inspektionen mit 67 Grenzstationen  

Die Mannstärken richten sich nach der Länge der zu bewachenden Grenze; je Grenzkilometer stand meist nur ein Grenzpolizist zur Verfügung. Es fehlte zu dieser Anfangzeit nahezu alles und so wurde bunt gemischt an Bekleidung, Bewaffnung, Munition, Ausrüstung und Transportmittel (maximal Fahrrad oder Pferd) alles übernommen, was die SMAD-Länderadministration zugewiesen hatten. Die Unterbringung der Grenzschutzpunkte erfolgte größtenteils in zivilen Unterkünften - häufig sogar in ihren eigenen Wohnungen, und die Grenzer mussten sich selbst verpflegen. 

Anstatt das der Druck an der Grenze mit den Jahren nach den Krieg nachließ, verschärfte sich die Situation durch die polarisierende politische Entwicklung in Deutschland und ganz Europa. In Ostdeutschland waren die wirtschaftlichen Belastungen durch die durchaus verständlichen Reparationsansprüchen der Sowjetunion zusätzlich angespannt. Neben Kriminalität, Schmuggel und Schieberhandel entwickelte sich eine dauerhafte Tendenz des wirtschaftlichen und bevölkerungsreduzierenden Ausblutens der ostdeutschen Länder. So führte die SMAD und die deutsche SBZ-Führung 1947 eine umfassende Reorganisation der Grenzpolizei durch; die Einheiten wurden um fast ein Drittel verstärkt und die Struktur vereinheitlicht. Im Oktober 1947 entstehen GP-Abteilungen mit vier bis fünf Kommandanturen. Die wiederum aus jeweils 10 bis 15 Kommandos bestehen. Das Kommando bestand i.d. Regel aus 8 bis 10 Grenzpolizisten, die in einer Dienstunterkunft mit ein bis zwei Zimmern untergebracht sind. Ein Jahr später werden drei bis vier Abteilungen den neu gebildeten VP-Grenzbereitschaften zugeordnet. 1948 werden weitere Polizeikräfte aus Schutzpolizeieinheiten und den östlichen Grenzeinheiten den westlichen Einheiten zugeführt. Die Einheiten waren von nun an mit den blauen Polizeiuniformen und durchgängig mit deutschen Wehrmachtskarabinern und -pistolen ausgestattet. Ab 1948 wurden die Verbände einheitlicher in den durch die SMAD geräumten Objekten - meist alte Kasernenanlagen aus der Kaiser- bzw. NS-Zeit - oder häufig provisorische hölzerne Barackenunterkünften im grenznahen Bereich kaserniert. Als zentral, durch die Deutsche Verwaltung des Innern (DVdI), geführtes Organ tritt die Grenzpolizei seit 1948 auf. Ab dieser Zeit achte die SED mit ihrem Führungsanspruch auch in der GP streng darauf, dass Führungspositionen durch Antifaschisten und der neuen politischen Ordnung treu ergebenen Angehörigen besetzt wurde. Neue freiwillige GP-Angehörige rekrutierte man aus erfahrenen Schutzpolizisten, Mitglieder der SED, Jugendliche aus staatlichen Institutionen und FDJ`ler mit jeweils aus der Arbeiterschaft stammenden sozialer Herkunft. Die Eskalation der politischen Auseinandersetzung zwischen Ost und West durch die separate Währungsreform in Westdeutschland und West-Berlin im Sommer 1948 führte zu einem verschärften Kontrollregime an der Demarkationslinie und an der äußeren Stadtgrenze um Berlin. Im Zuge der generellen Zentralisierung der Exekutivkräfte löste der Präsident der DVdI im November 1948 die GP mit den neu aufgestellten kasernierten Polizei-Bereitschaften aus der Verfügungsgewalt der Länder heraus und unterstellte sie der neuen HA Grenzpolizei und HA Bereitschaften in der DVdI. Gleichzeitig wurden die GP-Kommandos generell in Kasernen untergebracht. Eine systematische fachliche Ausbildung beginnt mit Schießschulungen im zweiten Halbjahr des Jahres 1949.  Im Rahmen der kurz darauf folgenden Trennung der für eine militärische Entwicklung bestimmten Bereitschaften von der führungsmäßigen Einbindung in ein gemeinsames Leitungsorgan wurden die GP-Einheiten im Juli 1949 wieder den jeweiligen Landespolizeibehörden unterstellt. Mit Gründung der DDR am 7.Oktober 1949 entstand aus der DVdI das Ministerium des Innern (MdI), in dem innerhalb der HVDVP eine eigene HA Grenzpolizei als Führungsorgan der Grenzsicherungskräfte gebildet wurde. Damit erfüllte die GP nach SED-Verständnis zu einer zentralisierten Führung unter der Kontrolle der Staatspartei die erste Voraussetzung, um sich zu einem eigenständig organisierten Grenzschutzorgan der DDR zu entwickeln.

 

Die Deutsche Grenzpolizei 1950-1961

Im Rahmen der zentralen Zuordnung und Führung aller Grenzbereitschaften ab den 1. Januar 1950 in die HA Grenzpolizei wurden die Abtl. Grenzpolizei der Länder endgültig aufgelöst. Operativ unterstanden die Bereitschaften jedoch noch weiterhin den Kommandeuren der sowjetischen Militäreinheiten, die im Rahmen der Sicherung der DDR als Besatzungsmacht noch immer an den Grenzen eingesetzt waren. Am 10. Juni 1950 übergab die UdSSR die vollständige Kontrollfunktion der Grenzpolizei an den Kontrollpassierpunkten (KPP). Lediglich die Kontrolle der Alliierten erfolgt weiterhin durch die sowjetischen Einheiten. Mit dem Kennwort "Marta" erfolgte 1951 der Ausbau der DDR-Küstensicherung mit der Umstrukturierung der GPB Nord in die Grenzbereitschaften Greifswald, Stralsund und Bad Doberan. Damit entstanden drei Abschnitte mit jeweils 2 Kommandanturen und 6 Kommandos, die auf das gesamte Küstengebiet verteilt und mit einem kleinen Bootsbestand ausgerüstet waren. Nach sowjetischen Vorbild sollten die Grenzpolizeieinheiten zukünftig auch in der Lage sein, die Verteidigung an der Staatsgrenze gegen bewaffnete Gruppierungen zu übernehmen. Hierzu wurde die Neugliederung in 4 Abteilungen mit Stäben in Schwerin, Magdeburg, Berlin und Weimar sowie von 3-6 Bereitschaften für die jeweiligen Grenzabschnitte verfolgt. Am 27. Mai 1952 erließ die DDR-Regierung eine "Polizeiverordnung über die Einführung einer besonderen Ordnung an der Demarkationslinie. In dieser war die Einrichtung einer 5 km breiten Sperrzone, mit einem 500m breiten Schutz- und einen 10m breiten Kontrollstreifen sowie die Befestigungen mit Stacheldrahtverhaue unmittelbar an der Grenze zur BRD festgelegt. Der §4 dieser VO verbot das Betreten des Kontrollstreifens, bei Nichtbefolgung der Anordnung im Grenzstreifen war der Schusswaffengebrauch ausgewiesen. Zur Verdichtung der Grenzüberwachung wurden ab August 1952 sogenannte "Freiwillige Helfer der Grenzpolizei" unter der Bevölkerung im Grenzgebiet angeworben und eingesetzt. Der "kleine Grenzverkehr" existierte von nun an nur noch im Berliner Stadtgebiet. Während des Volksaufstands im Juni 1953 blieb es an der Grenze zur BRD sehr ruhig; lag es an der inhaltlichen Kritik der Bevölkerung nach innen, oder an den schon sehr dicht aufgebauten Sicherungsregime an der Grenze? Immerhin, kam es um Berlin zu massenhaften Überschreitungen an den Sektorengrenzen. Und auch an der Grenze nach Polen wurden Grenzmarkierungen zerstört; hier als Ausdruck, dass die von der DDR-Regierung beschworenen „Oder-Neiße-Friedensgrenze“ in der eigenen Bevölkerung nicht ausnahmslos auf Verständnis stieß? Das versagen der Sicherheitsorgane, insbesondere des MfS, während der Ereignisse des Volksaufstands wurde durch die DDR-Regierung mit einer Herabstufung des Staatssicherheitsdienstes zum Staatssekretariat innerhalb des MdI quittiert. Damit einher verlaufend erfolgte die vorläufige Herauslösung der DGP aus dem SfS und die Schaffung einer selbständigen HV Deutsche Grenzpolizei innerhalb des MdI. Mit dieser Entwicklung erfolgte eine personelle Verstärkung und eine Neugliederung in 2 Bereitschaften an der Demarkationslinie in Oschersleben und Eisenach, 2 Bereitschaften an der Küste, 2 Bereitschaften an den Grenzen zur VR Polen und zur CSR und 4 Bereitschaften entlang des Ring um Berlin. Unter Vorbereitung der Teilnahme der DDR an die Militärkoalition des Ostblocks beschließt die Staats- und Parteiführung der DDR den Übergang der DGP zu einer milizärisch strukturierten Grenzsicherungseinheit nach sowjetischem Vorbild. Mit dem Befehl 6/55 erfuhr die DGP die Rückführung in das SfS zum 1. April 1955. Der DGP wurde die weitere militärische Ausrichtung auferlegt. Hierbei sollte jedes illegale Überschreiten der Demarkationslinie verhindert werden, und im Verteidigungsfalle sollte die DGP als erstes Sicherungsorgan in enger Kooperation mit der KVP die Abwehr eines Angriffs garantieren. 

Auf Grundlage eines Staatsvertrages mit der UdSSR übernahm die DGP ab Dezember 1955 als Zeichen der Souveränität - mit Ausnahme des Kontrollrechts gegenüber den Alliierten - alle Aufgaben zur alleinigen Sicherung der DDR-Grenzen. Bei dieser neuen Herausforderung wurde die DGP aber weiterhin durch militärische Berater der UdSSR unterstützt, und 15 DGP-Führungsoffiziere wurde 1956 zum Studium an das Institut des Ministeriums des Innern der UdSSR delegiert. Im Oktober 1956 löste die HVDGP zur Vereinfachung der Führungsstrukturen die Grenzkommandostrukturen auf. Die Anleitung der Grenzkommandos erfolgte nunmehr direkt durch die HA Grenzpolizei und Bereitschaften. Angesichts der Krisensituationen in Polen und Ungarn wurde die DGP im Herbst 1956 mit anderen Hauptorganen für den inneren Einsatz innerhalb des MfS in eine HV Innere Sicherheit zusammengeführt. Bereits zu Ende 1956 wurde das Kommando der DGP als selbstständiges Führungsorgan dem Minister f. Staatssicherheit direkt unterstellt, welches dann ab 1. März 1957 dem MdI zugeteilt wurde. 1957 zeichnet sich die militärische Ausprägung der DGP durch Umgliederung folgender acht Brigaden (mit 18 Grenzbereitschaften im Grenzabschnitt zur BRD und West-Berlin, 3 GB zur Küstensicherung und jeweils 4 GB an der Grenze zur CSR und zur VR Polen und insgesamt 101 Grenzabteilungen) ab. Mit Einführung des Schwurs und der Verleihung von Truppenfahnen an die Grenzbrigaden und -bereitschaften ab Januar 1958 entsprach das militärische Zeremoniell dem der NVA. Gleichzeitig ging man von dem ursprünglichen polizeilichen Linienkontrollsystem zu einem tiefgestaffelten beweglichen militärischen System der Grenzsicherung über, was sich mit einem pioniertechnischen Ausbau an der Grenze zur BRD abzeichnete. In Abstimmung mit den Teilnehmerstaaten des Warschauer Paktes und besonders auf Grundlage sowjetischer militärdoktrinärer Auffassungen wurden die Grenzsicherungskräfte der DDR zu einer Art vierter Teilstreitkraft; die Einheiten ähnälten in Struktur und Aufbau denen eines mot. Schützenverbandes der NVA. Insofern sollte die DGP befähigt sein in der Anfangsphase eines Angriffs auf das Staatsgebiet diesen durch eigene Kräfte abzuwehren. Insofern wurde in den Brigaden schwere Grenzabtl.  mit Panzer- Panzerabwehr-, Granatwerfer-, MG- sowie Versorgeeinheiten aufgestellt.

 

Mit einem Personalbestand von ca. 38.000 Mann übernimmt am 15. Mai 1960 Oberst Erich Peter als Chef der DGP die Leitung der Grenzorgane der DDR mit folgenden Unterstellungen:

 

  • 1. Grenzbrigade in Perleberg (mit 3 GPB)
  • 2. Grenzbrigade in Magedeburg (mit 4 GPB)
  • 3. Grenzbrigade in Erfurt (mit 5 GPB)
  • 4. Grenzbrigade Dittrichshütte bei Rudolstadt (mit 3 GPB)
  • 5. Grenzbrigade Groß-Glienicke (mit 3 GPB) 
  • 6. Grenzbrigade Rostock (mit 3 GPB und dem Abtl.-Stab See)
  • 7. Grenzbrigade Frankfurt/Oder (mit 2 GPB)
  • 8. Grenzbrigade Karl-Marx-Stadt (mit 2 GPB)

 

Das Kommando Grenze 1961-1974

Die weiterhin schlecht zu kontrollierende Grenzsituation in Berlin und im Umland ist der DDR-Führung zu Ende der 1950er Jahre immer mehr ein „Dorn im Auge“. Mittlerweile sind weniger Schmuggelei, Bandenkriminalität sowie unkontrollierte Betriebsmittelüberführungen als Grenzverletzungen zu beklagen; vielmehr enstehen durch die „Schaufensterfunktion“ von West-Berlin und durch die wachsenden Nachrichten- und Agententätigkeiten in beiden Teilen der Stadt ein neuartiges Bedrohungspotenzial für die DDR. Das Ausbluten der Bevölkerungs- und vor allem der Fachkräftesubstanz in der DDR macht sich immer flächenübergreifender bemerkbar. NAch Vorstellung der Partei und Regierungsführung der DDR muss eine grundlegende Lösung gefunden werden. Vom 3. bis 5. August 1961 treffen sich die Parteiführer der Warschauer Paktstaaten in Moskau. Bei dieser beratung wird der DDR die Kontrolle und Sicherung an den Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik einschließlich der Grenzen zu den Westsektoren von Groß-Berlin erlaubt. Auf Weisung des MfNV nimmt am 9. August d.J. eine operative Arbeitsgruppe zur Aufstellung von Einsatz-, Alarm- und Verlegungspläne zur Abriegelung der 45 km langen Stadtsektoren- und der 160 km Umlandsgrenze ihre Tätigkeit auf. Um 22.30 Uhr löst Erich Honecker mit verschlüsseltem Einsatzbefehl an die DGP deren Einsätze aus. Am Morgen des 13. August - ein Sonntag – ist gegen 6.00 Uhr die gesamte Sektorengrenze gesperrt. An der Westgrenze zur BRD werden zeitgleich die Präsenz der DGP-Einsatzkräfte erhöht und die Sperrsysteme noch undurchlässiger eingerichtet.

Mit dem Befehl Nr. 1/61 des Vorsitzenden des NVR vom 12. September 1961 zur Eingliederung der DGP als Grenztruppen der DDR in das MfNV zum 15. September 1961 beginnt die einheitliche Entwicklungphase der militärischen Grenzsicherung in der DDR mit Sitz in Pätz. Unter der Bezeichnung „Kommando Grenze“ übernahm das MfNV das Kommando der DGP mit einem Personenbestand von 2 Generalen, 4.167 Offizieren sowie 34.149 Mannschaftspersonal. Von diesen knapp 40.000 Grenzern stehen zu Ende 1961 68% an der westlichen Staatsgrenze, 6% an der Ostseeküste und weitere 6% an den Grenzen zur CSSR und VR Polen. Die restlichen 20% unterstehen den Schulen und sonstigen Einrichtungen der DGP. Mit der Eingliederung werden 70 Panzer, 66 Selbstfahrlafetten, 156 Schützenpanzerwagen, 191 Geschützen, ca. 2.800 Panzerabwehrmittel und ca. 3.000 Fahrzeuge übernommen. Eine Ausnahme von dieser einheitlichen Organisationsstruktur bildeten dabei weiterhin die Grenzsicherungs- und Grenzüberwachungskräfte der Hauptstadt der DDR (Unterstellung der 1. und 2. Grenzbrigade an die Stadtkommandantur Berlin), an der Ostseeküste (Unterstellung der 6. GBr. a.d. VM) und in den selbstständigen Grenzabschnittskommandos zur VR Polen und zur CSSR. Die Grenztruppen der DDR werden weiter unter der Führung des sachlich umstrittenden Oberst Erich Peter gestellt. Erich Peter soll sich noch viele Jahre als Oberst behaupten müssen. Sein politisch/militärischer Führungsstil ist als "sporadisch" eingestuft; 1963 wird er schließlich doch noch als "brauchbarer Kommandeur" als Generalmajor befördert. Ende der 1960er Jahre folgte sogar noch der zweite Generalsstern für Peter. Die 6. GBr in Rostock wird am 1. November 1961 operativ dem Kommando der Volksmarine in Rostock unterstellt.  Die nun neu bezeichnete 6. GBK bliebt aber weiterhin Bestandteil des „Kommando Grenze“ im MfNV und sicherte somit selbstständig die Seegrenze der DDR. Ein Jahr später wird am 23. August 1962 auf Befehl des NVR die 1., 2. und 4. GBr in Berlin und Potsdam aus dem Bestand des MdI gelöst und dem MfNV als Stadtkommandantur Berlin (Ost) unter Führung von Generalmajor Poppe zugeordnet. Im Rahmen der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der DDR am 24. Januar 1962 kommen im Herbst – nach der halbjährlichen Ausbildungszeit in den GAR – erstmals Wehrpflichtige in die regulären Grenzeinheiten. Die 18 Monate Wehrdienstzeit orientierte sich an die Ausbildungs- und Dienstinhalte eines mot. Schützen der NVA mit grenztaktischem Wissen, wie z.B. => Abriegelung der Staatsgrenze nach Grenzalarm, Verfolgung, Suche und Festnahme von Grenzverletzern und Fahrzeugkontrollen.

 

Gliederung des NVA - Kommando Grenze ab den 15. September 1961 bis 1971:

 

6x GBr - westlichen Staatsgrenze 

  • Grenzbrigade 3 mit Stab in Perleberg
  • Grenzbrigade 5 mit Stab in Kalbe/Milbe
  • Grenzbrigade 7 mit Stab in Magdeburg
  • Grenzbrigade 9 mit Stab in Erfurt
  • Grenzbrigade 11 mit Stab in Meiningen
  • Grenzbrigade 13 mit Stab in Rudolstadt 

 

3x GBr - Ring um Berlin 

  • Grenzbrigade 1 (ab 1. März 1966 „Grenzbrigade 13. August“) mit Stab in Berlin-Treptow
  • Grenzbrigade 2 mit Stab in Groß-Glienicke
  • Grenzbrigade 4 mit Stab in Potsdam (1966 aufgelöst) 

(Die Grenzbrigaden bestehen i.d.R. aus 3 GR mit je 2 GB und je 9 GK und einem GAB.)

 

1 xGBr - Ostseeküste   

  • Grenzbrigade 6 "Küste" mit Stab in Rostock-Gehlsdorf  

1x GRr/GR - Grenze zur CSSR

  • Grenzbrigade 12 mit Stab in Pirna (GS ab 21. August 1968 bis 15. September 1968, dann verstärkte GüW) 
  • Grenzregiment 19 mit Stab in Pirna (1966 als GAK neu gegliedert) 

 

1x GR - Grenze zur Volksrepublik Polen 

  • Grenzregiment 18 mit Stab in Frankfurt/Oder (1966 als GAK neu gegliedert) 

 

1 xGBr - Ostseeküste   

  • Grenzbrigade 6 "Küste" mit Stab in Rostock-Gehlsdorf  

Bronze-Medaillen als Ehrengeschenke der GBr-1 in Berlin-Treptow (mitte, anlässlich der Verleihung des Ehrenames "Grenzbrigade 13. August" zum 10. Gründungstag der NVA am 1. März 1966") und GBr-1 Groß-Glieneke (links und rechts) - (Privatartchiv d. Verf.)

 

Nach dem Mauerbau wurde allen politisch und militärisch Verantwortlichen in der DDR klar, dass die befestigte Grenze zur BRD und Berlin-West dauerhaft war. So zog die eigentliche, unmittelbare bauliche Sicherung an der Grenze eine nachhaltige und funktionierende Regimentsstruktur mit einer umfangreichen Infrastruktur nach sich.  Das in der DDR seit Beginn der 1960er Jahre verfolgte bautechnische Prinzip der radikalen Standardisierung hatte ein umfassendes Baukastensystem für den Wohnungs-, Gesellschafts- und Industriebau zum Ziel. Im Sinne dieser schnellen und systematischen Gebäudeherstellung lag die serielle Herstellung von Kasernenkomplexen ganz auf der Linie dieser DDR-Baupraxis. Die ab 1963/64 errichteten Stb.-Fertigteil-Typenbauten lösten die unzureichenden Mauer- und Holzbarackenbauten der frühen 1950er Jahre ab. Dennoch konnte man aus Kosten- und Zeitgründen auf die vorhandenen und bezogenen alten Kasernenstandorte natürlich nicht verzichten.

Auf Grundlage der Konzeptvorstellung zur Reorganisation der Grenztruppen durch den Verteidigungsminister Armeegeneral Heinz Hoffmann im Rahmen der 36. Sitzung des NVR am 23. Oktober 1969 erfolgte am 1. November 1970 eine der gravierendsten Umgliederungen der GT, die im wesentlichen bis 1989 bestehen bleiben sollte. Dabei wurden die Grenzbrigaden in Grenzregimenter - die jeweils drei GB hatten - räumlich klar und einheitlich umstrukturiert. Unterstellt waren die GR den nun gebildeten zentralen drei Grenzkommandos Nord, Mitte und Süd. Alle drei Kommandos wurden durch das KGT in Pätz geführt. Sechs GR standen an der Staatsgrenze zur BRD, zwei zur Grenze West Berlin und jeweils ein Grenzabschnittskommando befand sich an der Grenze zur CSSR und zur VR Polen. Um optimalere Bedingungen für die durchgängige und enge Zusammenarbeit mit der jeweiligen SED-Kreisleitung zu gewährleisten wurde die lokale Trennung der Grenzregimenter an die Kreisgrenzen der DDR angelegt. 

 

Gliederung der Grenztruppen ab 1971:

 

GrKdo Nord in Stendal

GrKdo Süd in Erfurt

GrKdo Mitte in Berlin-Karlshorst

6. GBK Küste in Rostock

GrAbs VR Polen in Frankfurt/Oder

GrAbs CSSR in Pirna 

 

Die Grenztruppen der DDR 1974-1990

Am 25. März 1982 verabschiedet die Volkskammer der DDR das Gesetz über die Staatsgrenze der DDR – das sogenannte „Grenzgesetzt“ - welche die bisherige Verordnung zum Schutz der Staatsgrenze aus dem Jahr 1964 und die Grenzordnung von 1972 modifizierte. Das neue Gesetzt soll die Unantastbarkeit und den völkerrechtlichen Status der Grenzen der DDR im aktuellen internationalen Kontext sowie die notwendigen neuen Anforderungen in der Zusammenarbeit zwischen den GT und den anderen staatlichen Organen der DDR gewährleisten.

Auf Grundlage von innerdeutschen Abstimmungen zwischen dem Generalsekretär der DDR – Erich Honecker - und dem CSU-Vorsitzenden – Franz Josef Strauß – im Jahre 1983 im Zusammenhang mit Kreditzusagen von BRD-Banken an die DDR bergen und demontieren die GT 1984/85 alle Boden- und SM-70-Minen im Bereich der Staatsgrenze zur BRD. Parallel zu diesen Demontagen erfolgt durch die DDR der Aufbau von pionier- und signaltechnisch moderneren Grenzsicherungsanlagen in diesen Grenzbereichen sowie an der Grenze nach Berlin (West). Durch die ständig zunehmenden Formen und Methoden zur Erfüllung der technischen Grenzsicherung wird Mitte der 1980er Jahre in der Richlinie 018/8/002 "Didaktik der Gefechtsausbildung in den Grenztruppen der DDR" die gestiegenen Anforderungen an die Ausbildung der AGT Rechnung getragen. 

Von nun an Die bisher praktizierte lineare Sicherung in unmittelbarer Grenzlinie wurde in eine wesentlich tiefergestaffelte Grenzsicherung gewandelt. Hierzu erfolgte auch die organisatorische Rücknahme der Bataillonssicherung in eine vorher schon einmal praktizierte Kompaniesicherung; entsprechend wurde wieder einmal – wie schon so häufig in der Entwicklung der GT zu beobachtende – Verantwortlichkeit der Dislozierung von Einheiten („Struktur 80“ => 17-20km Verantwortungsbereich der einzelnen Kompanien, 65-80km der Bataillone und 130-160km  der Grenzregimentern an der Staatsgrenze zur BRD). In diesem Zusammenhang steht auch die Auflösung des  GR-25 „Neidhardt von Gneisenau“ in Oschersleben (dieser Ehrenname war der einzige preußische in den GT) im Jahre 1985. Hier wurden die Dislozierungen gegenüber des Grenzabschnitts im Bereich von Braunschweig zwischen dem GR-20 und -23 neu aufgeteilt und somit verdichtet. Im Zeichen des politischen Umbruchs und der Abrüstungsinitiativen steht die Herauslösung und Umstrukturierung der GT aus dem Bestand der NVA. Mit der Auflösung von 2 Grenzkommandos (GKN und GKS) an der Staatsgrenze zur BRD wurden Mitte 1989 6 Grenzbezirks- und 16 Grentkreiskommandos sowie 2 Grenzausbildungszentren gebildet. Mit der Umstrukturierung sollt der gesamte Personalbestand verringert werden, und parallel die Mitverantwortung der einbezogenen weiteren Bewaffneten Organe der DDR im Vorfelde des Grenzgebietes sowie die Grenzkompaniedichte von 93 auf 107 Einheiten erhöht werden. Im Durchschnitt sollten damit die GK-Grenzabschnitte von durchschnittlich 15 auf 13 km verkürzt werden. Eine einheitliche und durchgängige Realisierung konnte sich aber bis Ende 1989 nicht mehr entfalten. Zu Ende der 1980er Jahre unterstanden den GT unter dem Dach des MfNV rund 47.000 Mann. Nach den außergewöhnlich friedlichen Vorgängen zur Grenzöffnung am 9. November 1989 in berlin bracht die Befehlsgewalt und die Truppenmoral auseinander. bereits zu Jahresbeginn 1990 beschloss die neue DDR-regierung unter Hans Modrow die Truppenreduzierung um 50%.. Der Versuch, unter der Leitung des neuen Chef der GT - Generalmajor Dieter Teichmann - einen DDR-Grenzschutz aufzustellen scheiterte schon im Frühjahr 1990. Am 26. Juni 1990 erfolgte die Einstellung der Grenzüberwachung am innerdeutschen Grenzverlauf und am 21. September d.J. erfolgte der Befehl zur GT-Auflösung.

Dislozierungen vor und nach der Reorganisation der GT der DDR im Jahre 1989. (Grafik mit freundlicher Genehmigung der Privatsammlung F. Kursawe. Hintergrundkarte mit Darstellung der Militärbezirke der DDR aus "Handbuch der bewaffneten Organe der DDR" Seite 516.) 

 


Politische Verwaltung Kommando Grenztruppen

1601 Pätz, An der F179, PF 16601

 

Haus der Grenztruppen, Pätz

1601 Pätz, An der F179, PF 18165 

 

Musikkorps der Offiziershochschule der Grenztruppen

Plauen (später Suhl)   

Formation des Stabsmusikkorps der Grenztruppen der DDR - im Vordergrund der Dirigent Hans-Jürgen Rohland - auf dem Plattencover der LP "...daß sicher sei, was uns lieb ist" des VEB Deutsche Schallplatten Berlin DDR anlässlich des 40. Jahrestags der Grenztruppen der DDR. Darunter:  "Als Zeichen der Anerkennung hervorragender militärischer Verdienste" verleiht der Ministerrat der DDR dem Stabsmusikkorps der Grenztruppen der DDR anlässlich des 26. Jahrestags der Grenztruppen am 01.12.1977 den Kampforden für Verdienste um Volk und Vaterland in Bronze. (Privatarchiv d. Verf.)

 

Haus der Grenztruppen  

6000 Suhl, Friedberg, PF 32157

 



Fähnrich- und Grenzaufklärerschule der Grenztruppen, Nordhausen (Bez. Erfurt)

5500 Nordhausen, PF 79278, 

(Ab 1. Dezember 1985 wurde die Fähnrichschule in die Offiziersschule in Suhl eingegliedert und als Fachrichtung "Fähnrichausbildung" geführt.)

 

Kommandeure:

Oberst Erler

Oberst Otto Gereit
 

 

Ab 1973 wurde "Fähnriche" in einer eigenständigen Laufbahn zwischen Unteroffizieren und Offizieren ausgebildet und gingen dann mit administrative bzw. technische Spezialisierungsrichtung z.B. als Kommandant eines Grenzsicherungsbootes oder als Diensthundestaffelführer in den Truppendienst. Ab 1. September 1982 wurden Fähnrichschüler an der GT-OHS in Einjahreslehrgängen zu Grenzaufklärern herausgebildet. Ab 1. September 1884 bildete man regelmäßig Grenzaufklärer in Zweijahreslehrgängen an dieser Lehrstätte aus. Nach mehrjähriger Praxis als Grenzaufklärer war der Einsatz als Grenzabschnittsposten an der Staatsgrenze zur CSSR bzw. zur VR Polen möglich. 

Großsiegel eines Angehörigen der Fähnrich- und Aufklärerschule der Grenztruppen - ab 1985 in Suhl beheimatet. Rechts nebenstehend ein  Adressstempel der Ausbildungsstätte in Nordhausen vor dem Umzug nach Suhl.  (Privatarchiv d. Verf.)   



 

Neben der direkten Kommandoeinheiten in Pätz und der direkt unterstellten Ausbildungsstätten der Grenztruppen der DDR gab es eine Vielzahl von militärischen Verbänden mit speziellen Aufgaben. Im KGT trugen diese Verbände immer die Ordnungszahl "16", der Verfasser bittet um Ihre Unterstützung zur Vervollständigung der folgenden Angaben der Spezialeinheiten und der jeweiligen Dislozierungen im KGT:

 

Dienststandort Pätz (1601 Pätz, An der F 179):

 

Stab- und Versorgungsbataillon 16 (StVB-16),

Wach- und Sicherungsbataillon (WSB-16), 

Wartungskompanie 16 (WK-16),

Stabsmusikkorps (StM),

Politische Verwaltung KGT (PV), 

Militärstaatsanwalt (MSTA),

Funkdienst 16 (FuD-16 - Truppe 1-8 Grenze zur BRD u. -9 im GR-34, Truppe bestehend aus 1 Fähnrich, 2x BU u. 4xUAZ), 

Rechenzentrale 16 (RZ-16),

Kfz-Kompanie 16 (KfzK-16), 

Haus der GT (HdGT).

 

Weitere Dienststandorte:

 

Kommandonachrichtenzentrale 16, 1601 Motzen, Waldstraße, PF 18162 (Siegelcode 946)

Wachkompanie, Motzen

Schule f. Diensthundewesen, 1500 Potsdam-Sago, Michendorfer Chaussee, PF 32164

Nachrichteninstandsetzungskompanie, Magdeburg

Funkaufklärungstrupp 6, 6102 Römhild, (?)

Funkaufklärungstrupp 9, Groß Glienicke, (?)

Pionierwerkstatt 16, 3019 Magdeburg, August-Bebel-Damm, PF 79235, Siegelcode (?)

Versorgungslager 16, 3504 Tangermünde, Arneburger Straße 37, PF 79252, Siegelcode (?)

Versorgungslager 36, 1501 Neuseddin, Wildenbruch/Bergheide, PF 18129, Siegelcode (?)

Versorgungslager 46, 6908 Kahla, Ölwiesenweg 1, PF 18146, Siegelcode 940

Bekleidungs- und Ausrüstungslager 36, 1197 Berlin-Johannisthal

Gästehaus des KGT, 1604 Groß Köris, Berliner Straße 40, PF 81043

Propagandakompanie (PrK-16), 1601 Schenkendorf, Mittenwalder Straße 34, PF (ß), Siegelcode (?)

Ledigenwohnheim (WH), 1602 Schenkendorf, (?)

Naherholungszentrum Albersdorf

Naherholungszentrum Zichtau

Naherholungszentrum Bensdorf

Naherholungszentrum Wildenbruch 

 

 


Quellen:

 

- "Informationen zu Problemen der Gefechtsausbildung in den GT" Herausgeber Stellvertreter d. Cehfs GT und Chefs Ausbildung - 1986, 

- "Berufsbilderkatalog" Ausgabe 1988 - Herausgegeben vom MfNV Chef Kader

- Peter Joachim Lapp "Gefechtsdienst im Frieden", Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1999

- Jürgen Ritter und Peter Joachim Lapp "Die Grenze", Ch. Links Verlag, Berlin 2006

- T. Diederich "Handbuch der bewaffneten Organe der DDR" Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Augsburg 2007

 

 

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