STANDARDTECHNIK UND -BEWAFFNUNG DER GRENZTRUPPEN DER DDR 

(chronologisch geordnet)       

 

Grenzpolizei 1945-1951  

Schon kurz nach dem II. Weltkrieg wurden neben den für die Grenzsicherung verantwortlichen Einheiten der Besatzungsmächte in Deutschland in den einzelnen Ländern deutsche Polizisten als Hilfskräfte für die Kontrolle an den Grenzen herangezogen. Die Bewaffnung der Grenzpolizeiformationen war Anfangs bunt gemischt. Das Land Mecklenburg und Sachsen rüstete seine Einheiten mit der italienischen Pistole Beretta aus. In Brandenburg erhielt die Polizeiangehörigen Karabiner sowjetischer, polnischer, italienischer aber auch deutscher Herkunft. Überall fehlte es an ausreichenden und einheitlichen Waffen, Munition und Bekleidungen. In der Direktive Nr. 16 des Alliierten Kontrollrates vom 6. November 1945 zur Bewaffnung der deutschen Polizeikräfte heißt es: "...Mit Ausnahme der Gendamerie und der Grenzpolizei, die mit Karabinern ausgerüstzet werden können, wird die Polizei keine gänzlich automatischen Waffen oder andere Waffen zugeteilt bekommen als Pistolen, Revolver und Knüttel..."  Transportmittel standen faktisch überhaupt nicht zur Verfügung, so waren selbst Fahrräder und Pferde nicht die Regel. Die Unterbringung der Grenzschutzstützpunkte erfolgte meist in zivilen Gebäuden. Strukturelle kasernierte Unterkünfte waren für die Grenzpolizei am Verlauf der neuen Demarkationslinie noch nicht verfügbar, polizeiliche bzw. militärische Bestandsanlagen wurden in der Regel von der SMAD selbst genutzt. Doch schon 1947 wurden die ostdeutschen Grenzschutzkräfte umfassend reorganisiert. Die GP-Einheiten wurden im September 1947 von 2.543 auf 3.779 Mann verstärkt und der Aufbau einheitlich strukturiert. Auf SMAD-Befehl gliederte sich die GP nunmehr in Abteilungen / Kommandanturen / Kommandos. Die Einheiten werden ab 1948 einheitlich mit blauen Uniformen und durchgängig mit deutschen Karabinern 98 k und - für die Kommandoleiter - Pistolen P 08 bzw. P 38 ausgestattet. Zu Ende der 1940`er Jahre wurde die GP von den Landespolizeibehörden ausgelöst und formierte sich zu einer zentral geleiteten Einheit der Grenzpolizei mit militärischer Ausprägung und nahezu 20.000 Angehörigen. Ein Grenzkommando hatte von nun an in der Regel 2-3 Fahrräder, eine Kommandantur zwei Motorräder und eine Grenzbereitschaft einen PKW und einen LKW. 

DGP-Angehörige um 1948 mit Waffen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht , links - wohl - eine MP43 und rechts eine MP40. (Privatarchiv d. Verf.)

  

Deutsche Grenzpolizei 1952-1960

Die Grenzeinheiten der DDR sollten im Zusammenhang mit der 1952 vollzogenen Neuorientierung in der Militärpolitik befähigt und ausgerüstet sein, einen militärischen Angriff aufzuhalten, bis die Streitkräfte einsatzbereit waren. In den Grenzbereitschaften entstanden jetzt schrittweise Umsetzungen dieser neuen/alten – durchaus sowjetischen Grenzschutzauffassung (bittere Erfahrung aus dem Überfall auf die UdSSR 1941); die Einheiten der DGP wurden mit sowjetischen Waffen durchgehend modernisiert. Neben der moderneren und standardisierten Bewaffnung waren die neu eingeführten militärischen Ränge und die khakifarbene Militäruniform ein eindeutiges Symbol der militärischen Ausrichtung der Grenzsicherungseinheiten. Die Kommandos erhielten nun in der Regel ein Motorrad AWO 425 und Fahrräde; die bewaffnung bestand durchgängig aus Karabiner k44, dem LMG-D ("Plattenspieler"), dem SMG Maxim und Pistolen P08 und P38. Die Grenzbereitschaften werden mit F9-Kübel/Limousine, LKW HSA und Granit 27 sowie Motorrad AWO 425 ausgestattet. 1954 beginnt der Aufbau eines einheitlichen Funksystems der DGP, welches eine gedeckte Truppenführung ermöglichte und die Einsatzbereitschaft und die Flexibilität der damaligen Grenzbereitschaften immens erhöhte. Unter Vorbereitung der Teilnahme der DDR an die Militärkoalition des Ostblocks beschließt 1955 die Staats- und Parteiführung der DDR den Übergang der DGP zu einer miliärisch strukturierten Grenzsicherungseinheit nach sowjetischen Vorbild. Hiernach sollte jedes illegale Überschreiten der Demarkationslinie verhindert werden, und im Verteidigungsfalle sollte die DGP als erstes Sicherungsorgan in enger Kooperation mit der KVP die Abwehr eines Angriffs garantieren. Entsprechend dieser Aufgaben befahl der für die Bewaffnung aller DDR-Organe verantwortliche Innenminister im Juni 1955, die veralteten deutschen Waffen und Ausrüstung an die Transportpolizei abzugeben und die DGP mit einheitlicher sowjetischer Technik auszurüsten. Allerdings vollzog sich dieser Prozeß wegen des akuten Waffen-und Ausrüstungsmangels nur sehr langsam, zumal für die DGP nunmehr Artillerie- und Panzertechnik beschafft werden sollte, die sogar noch im KVP-Betsand fehlte. Der klare militärische Auftrag der GT dokumentiert sich seit Ende der 1950er Jahre in Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung. Die Bewaffnung wechselte mehrmals war aber grundsätzlich sowjetischer Art. Mit Bildung der militärischen Grenzbrigadestruktur im Jahre 1957 sollte die DGP fähig sein einen Angriff auf das DDR-Staatsgebiet in der Anfangsphase durch eigene Kräfte abzuwehren. Insofern wurde in den Brigaden ab 1957 schwere Grenzabtl.  mit Panzer- Panzerabwehr-, Granatwerfer- und MG-Einheiten sowie Versorgekräften gebildet. Ab Mai 1957 begann die Ausbildung an SPW, SFL SU-76 und Panzer T-34 sowie an sowjetischer Artillerie. In den Lehrbataillonen 6 und 11 zog die DGP Panzerkommandanten, Richtschützen und Funker, an der Artillerie- und Panzertechnischen Schule Gruppenführer für technische Wartung, Reperaturspezialisten und Geschützmeister heran. 


Grenztruppen 1961-1990

Mit dem Befehl des Vorsitzenden des NVR vom 12. September 1961 zur Eingliederung der DGP als Grenztruppen der DDR in das MfNV zum 15. September 1961 begann ein neuer Entwicklungsschritt der militärischen Grenzsicherung in der DDR mit Sitz in Pätz. Unter der Bezeichnung „Kommando Grenze“ übernahm das MfNV das Kommando der DGP mit einem Personenbestand von 2 Generalen, 4.167 Offizieren sowie 34.149 Mannschaftspersonal. Von diesen knapp 40.000 Grenzern standen zu Ende 1961 68% an der westlichen Staatsgrenze, 6% an der Ostseeküste und weitere 6% an den Grenzen zur CSSR und VR Polen. Die restlichen 20% unterstanden den Schulen und sonstigen Einrichtungen der DGP. Mit der Eingliederung wurden 70 Panzer, 66 Selbstfahrlafetten, 156 Schützenpanzerwagen, 191 Geschützen, ca. 2.800 Panzerabwehrmittel und ca. 3.000 Fahrzeuge übernommen. Neben den Bottskompanien /-zügen im GKN befinden sich in den GR-36, -38 und -44 insgesamt 29 Grenzsicherungsboote.

 


Quelle:

- T. Diederich "Handbuch der bewaffneten Organe der DDR" Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Augsburg 2007 

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