Bei den Grenztruppen der DDR wurden von Anfang an ausschließlich Luftfahrzeuge in Form von einrotorigen Hubschraubern mit Drehmomentenausgleich sowjetischer Bauart gem. der heute noch zum größten Teil gebauten Hubschrauber eingesetzt. Bei diesem Hubschraubertyp wird der Hauptrotor über Wellen angetrieben und sorgt so für den Auf- und Vortrieb. Um eine entgegengesetzte Drehung des Rumpfes bzw. der Raumzelle um die Hochachse zu vermeiden, erfolgt über einen kleineren Heckrotor der Drehmomenteausgleich und die Steuerung um die Hochachse. Dieser Hubschraubertyp besitzt eine große Wendigkeit, reagiert jedoch stärker auf Rückenwind im Schwebeflug und bei der Landung. Ein erster Drehflügler mit dampfbetriebenen Haupt- und Heckrotor wurde erstmals 1874 durch die Deutschen Brüder Fritz und Wilhelm Achenbach entworfen. Der erste praktisch einsatzfähige Hubschrauber (allerdings mit zwei auf Auslegern nebeneinanderliegenden gegenläufigen Rotoren) war die als Verbindungsflugzeug konzipierte Focke-Wulf „FW-61“, welche am 26. Juni 1936 zum ersten Freiflug startete. 1948 entstand in der Sowjetunion im Konstruktionsbüro „Mil“ des Konstrukteurs Michael Leontjewitsch der erste einsatzfähige Hubschrauber vom Typ Mi-1; dieser Hubschraubertyp wurde auch recht schnell in den neuen Streitkräften der DDR und somit in den Grenztruppen eingeführt.
Leichter Mehrzweckhubschrauber Mi-1 (SM-1)
Ende 1947 wurden im sowjetischen Entwicklungsbüro des Chefkonstrukteurs Michail Leontjewitsch Mil (1909 - 1970) die Arbeit an einen Kleinhubschrauber vom Typ GM-1 begonnen, welcher bei seinem Erstflug im September 1948 bereits als „Mi-1“ bezeichnet wurde. Im Jahre 1950 wurden die ersten Hubschraubereinheiten der Roten Armee mit diesem Hubschraubertypen ausgerüstet. Auf Grundlage einer Regierungsvereinbarung zwischen der Sowjetunion und der VR Polen wurde die Produktion von Kiew an das Flugzeugwerk „WSK“ in Swidnik Mitte 1956 verlagert. Anfangs wurden ausschließlich die aus der UdSSR gelieferten Teile in Swidnik montiert. Aber schon 1957 konnte die Montage aus Baugruppen erfolgen, die ausschließlich in der VR Polen hergestellt worden. Ende 1957 nahm das „WSK“-Werk in Rzezow den Lizenzbau des Triebwerks „AI-25W“ als „Lit-3“ auf. Die polnische Typenbezeichnung „SM-1“ bezieht sich auf das polnische Wort für „Hubschrauber“ = „Smieglowiec“. Diese bezeichnung war so auch in der NVA und somit bei den Grenztruppen der DDR üblich. Die Rumpfbauweise des Hubschrauber Mi-1 bestand aus einem Stahlrohrkorpus mit Metallbeplankung. Die Dreiblatt-Tragschraube wurde durch einen luftgekühlten siebenzylinder Sternmotor Al-16W angetrieben. Am Heck stabilisierte eine Dreiblatt-Ausgleichsschraube. Die Mi-1 wurde ausschließlich zur Personenbeförderung genutzt und besitzt somit keine Nutzlastaufnahme. Die SM-1 wurde ab 1957 in der NVA eingeführt. Bei den Grenztruppen der DDR standen von 1964 bis 1969 insgesamt 9 Stck. Mi-1 im Dienst. Im Jahre 1972 erfolgte in der NVA und den Grenztruppen der Ersatz durch den leistungsfähigen Turbinenhubschrauber Mi-2 und schließlich im Jahre 1973 die vollständige Außerdienststellung.
Technischer Dienst an einer SM-1 (Kennung "500", von 1964 bis 1969 im Dienst der grenzsichernden HS) auf dem Landeplatz der HS-16 in Salzwedel. (Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Fliegerkameradschaft der HS-16 B.Dr.)
Technische Daten und Informationen:
Gesamtlänge
16,95 m
Gesamtbreite
14,35 m
Gesamthöhe
3,30 m
Leermasse
1.950 kg
Startmasse
2.500 kg
Besatzung / Passagiere
1 / 2 Personen
Höchstgeschwindigkeit
170 km/h
Reichweite
380 km
Tank / Zusatztank
240 l / 160 l
Treibstoffverbrauch
90 l/h
Gipfelhöhe
3.000 m
Antriebsleistung
1x 7-Zyl. Sternmotor Iwtschenko AI-26W (422 kW)
Mittlerer Mehrzweckhubschrauber Mi-4
Die Entwicklungsarbeit am Mi-4 wurden im sowjetischen Konstruktionsbüro von M.L.Mil im Oktober 1951 aufgenommen. Im April 1952 begannen die Tests mit einem Prototyp. Im gleichem Jahr erfolgte schon die Serienproduktion des neuen sowjetischen Hubschraubertyps Mi-4 mit Doppelsteuerung (zwei Hubschrauberführer). Von Anfang an leistete im Serienmodell das Standardtriebwerk „Asch-82W“ – ein 14-Zylinder-Doppelsternmotor – für 1250 kW Startleistung. Der Korpus der Mi-4 bestand aus einer Ganzmetallkonstruktion in Halbschalbauweise mit Leichtmetallbeplankung. Am Rumpfoberteil schließt der 6,46 m lange Heckträger mit der Dreiblatt-Heckschraube zum Ausgleich des Drehmoments der Vierblatt-Tragschraube an der Stabilisierungsflosse mit Notsporn an. Über die große Heckladerampe war bei diesen Mehrzweckhubschraubertypen die Aufnahme eines Kfz (z.B. ein sowjetischer Geländewagen GAZ-69) mit einer max. Nutzlast von 1.670 kg möglich.Als ersten Hubschraubertyp wurde der damals jungen NVA im Januar 1957 die Mi-4 übergeben. Bei den Grenztruppen der DDR standen bis 1973 insgesamt 10 Stck. Mi-4 im Dienst. Die erste Maschine mit der taktischer Nr. „576“ wurde am 01.12.1963 in den Beständen der "Hubschrauberstaffel 16" der Grenztruppen der DDR aufgenommen. Die Mi-4 stand in der NVA bis August 1978 im Dienst und wurde aber schon ab 1968 durch die Mi-8 rezessive abgelöst.
Startvorgang einer Mi-4 (Kennung "546", von 1964 bis 1973 im Dienst der grenzsichernden HS) auf dem Landeplatz der HS-16 in Meiningen. Im Hintergrund sind zwei startbereite SM-1 zu erkennen. (Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Fliegerkameradschaft der HS-16 B.Dr.)
Zur Luftparade am 9. Juli 1961 in Tuschino wurde erstmals ein sowjetischer Hubschrauber mit Turbinentriebwerk als Versuchshubschrauber W-8 der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Erstflug des mit zwei Triebwerken ausgestatteten Hubschraubertyp Mi-8 fand am 17. September 1962 statt. In allen Mi-8-Versionen dienen zwei Turbinenluftstrahltreibwerke vom Typ Isotow „TW2-117A“ für eine Startleistung von je 1103 kW für die fünfblättrige Trageschraube und die Dreiblatt-Heckschraube. Der Rumpf bestand aus einer Ganzmetall-Halbschalenbauweise. Mit der großen Heckklappe war im Rumpf sogar die Aufnahme eines militärischen Kfz (so z.B. ein sowjetischer Geländewagen vom Typ UAZ 469) mit einer max. Nutzlast von 4.000 kg möglich. Im Jahre 1968 begann die Ausstattung der Transportfliegerkräfte der NVA mit diesem Hubschraubertypen. Nach und nach ersetzte dieser den Mehrzweckhubschrauber Mi-4. Bei den Grenztruppen der DDR standen bis zum 1990 3 Stck. Mi-8 im Dienst. Die erste Maschine mit der taktischer Nr. „397“ (siehe unten stehendes Foto) wurde im Novemvber 1977 in den Beständen der "Hubschrauberstaffel 16" der Grenztruppen der DDR aufgenommen. Die Mi-8 verblieb bis zum Ende der NVA als Standardhubschrauber in den Fliegerkräften (NVA, Volksmarine und Grenztruppen) der DDR.
Startbereite Mi-8 (Kennung "397", von 1977 bis 1990 im Dienst der grenzsichernden HS) mit Luftbildkamera (geöffnete Seitenschiebetür) auf dem Landeplatz der HS-16 in Nordhausen. (Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Fliegerkameradschaft der HS-16 B.Dr.)
Blick in das Doppelsteuer-Cockpit einer Mi-8 der HS-16 der Grenztruppen der DDR. (Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Fliegerkameradschaft der HS-16 B.Dr.)
Technische Daten und Informationen:
Gesamtlänge
25,28 m
Gesamtbreite
21,29 m
Gesamthöhe
5,65 m
Leermasse
7.160 kg
Startmasse
12.000 kg
Besatzung / Passagiere
3 / 24 Personen
Höchstgeschwindigkeit
230 km/h
Reichweite
650 km
Tank / 2x Zusatztanks
1640 l / 1230 l
Treibstoffverbrauch
500 l/h
Gipfelhöhe
4.500 m
Antriebsleistung
2x Wellenturbinen Isotow TW2-117A (2x 1103 kW)
Leichter Mehrzweckhubschrauber Mi-2
Der erste serienmäßige Hubschrauber seiner Klasse mit zwei Turbinentriebwerken, wurde der Öffentlichkeit im Herbst 1961 durch das sowjetische Konstruktionsbüro M.L.Mil vorgestellt. Auf Basis des Mi-1 beschloß mitte der 1950`er Jahre das Mil-Konstruktionsbüro die Flugleistung durch eine Version mit Turbinenantrieb zu verbessern. Hierbei wählte man zwei neue 400-WPS Isotow GTD-350-Wellenturbinen, die zusammen über die Hälfte leichter waren als der einzelne Iwtschenko-Sternmotor und fast 30% mehr Leistung ergaben. Durch die Installation nebeneinander über der Kabine konnte der gesamte Innenraum für die Aufnahme von Passagieren oder Nutzlasten verfügbar gemacht werden. Der erste Prototyp flog im September 1961. Nach den ersten Flugerprobungen wurde der hölzerne Dreiblatt-Heckrotor durch einen Zweiblattrotor aus Metall ersetzt, und ab 1965 erhielt der neue Hubschraubertyp eine neue Rotornabe, die von der des Mi-6 abgeleitet war. Da die sowjetischen Flugzeugwerke mit der Produktion des Mi-8 und anderen schweren Mil-Hubschraubern völlig ausgelastet waren wurde im Januar 1964 die gesamte Serienproduktion des Mi-2 zwischen der UdSSR und der VR Polen per Lizenzabkommen nach Polen verlegt, wonach das polnische Werk „WSK-PZL“ (Staatskonzern: "Panstwowe Zaklady Lotnicze") in Swidnik die Fertigung übernahm. Die Lizenzproduktion der Turbinentriebwerke „GTD-350“ mit einer Startleistung von je 295 kW für die dreiblättrige Tragschraube übernahm das polnische „WSK“-Werk in Rzeszow. Der Erstflug einer noch aus sowjetischen Baugruppen aber schon in Swidnik montierte Mi-2 erfolgte am 26. August 1965. Die Mi-2 besaß eine Ganzmetall-Stringerkonstruktion mit Duralaluminiumblechbekleidung. Der Rumpf war aus vorgefertigten Halbschalen – bestehend aus Bug mit Cockpit, Mittelteil und Heckrotorträger zur Aufnahme der Zweiblatt-Heckschraube - hergestellt. Über die Backbordtür konnte eine 700kg Frachtzuladung im Innenraum oder eine 800kg Außenlast aufgenommen werden. Bei der NVA wurde die Mi-2 erstmals im Jahre 1972 eingeführt. Bei den Grenztruppen der DDR standen bis 1990 insgesamt 19 Stck. Mi-2 im Dienst. Die erste Maschine mit der taktischer Nr. „420“ wurde im April 1973 in den Beständen der "Hubschrauberstaffel 16" der Grenztruppen der DDR aufgenommen. Die Mi-2 verblieb bis zum Ende der NVA als Standardhubschrauber in den Fliegerkräften (NVA, Volksmarine und Grenztruppen) der DDR aber auch bei der Deutschen Volkspolizei. Zwei der GT Mi-2 verblieben von 1992 bis 2006 im Dienst der Berliner Polizeihubschrauberstaffel in Diepensee bzw. ab 2004 in Ahrensfelde und wurden 2004 durch die EC 135 T2 abgelöst.
Startbereite Mi-2 der HS-16 unmittelbar an einem Kompaniestandort der Grenztruppen der DDR im Bereich der Staatsgrenze zur BRD - im Vordergrund links der 2. HSF (zweiter Hubschrauberführer) bei der Sicherung des Anlassens der Treibwerke. Im Hintergrund ist ein Robur LO 2002 A und die Zaunanlage des Kompaniegeländes zu erkennen. (Privatarchiv d. Verf.)
Blick in das Cockpit einer Mi-2 der HS-16 der Grenztruppen der DDR. (Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Fliegerkameradschaft der HS-16 B.Dr.)
Technische Daten und Informationen:
Gesamtlänge
17,42 m
Gesamtbreite
14,56 m
Gesamthöhe
3,76 m
Leermasse
2.365 kg
Startmasse
3.550 kg
Besatzung / Passagiere
2 / 4 Personen
Höchstgeschwindigkeit
210 km/h
Reichweite
580 km
Tank / 2x Zusatztanks
600 l / je 238 l
Treibstoffverbrauch
300 l/h
Gipfelhöhe
4.000 m
Antriebsleistung
2x Wellenturbinen Isotow GTD-350 (2x 295 kW)
Quelle:
- Wilfried Kopenhagen "Flugzeuge und Hubschrauber der NVA" Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1990