GRENZREGIMENT - 35 "Nikolai Bersarin"

(Dislozierungen um 1985)

 

Ort der Unterkunft: 

1413 Schildow, Franz-Schmidt-Straße 47-55, PF ? (Siegelcode ?)

1110 Berlin-Niederschönhausen, Buchholzer Straße 4, PF 62323 (Siegelcode 927)

 

Ehrenname:

Der Ehrenname "Nikolai Bersarin" wird dem TT am 27. September 1969 verliehen.

 

Grenzabschnitt:

Nördlich zum GR-38 im Bereich "Schildow/Blankenfelde" bis südlich zum GR-36 im Bereich "Eberswalder Straße".

 

Kommandeure:

Oberstleutnant Erwin Gürnth  (1969 – 1971) 

Oberst Heinz Philipp (1971 – 1973) 

Oberst Heinz Peter (1973 – 1976) 

Oberst Horst Parche (1976 – 1983) 

Oberstleutnant Eberhardt Schmidt (1983 – 1987) 

Oberstleutnant Frank Bube (1987 – 1989) 

Major Hans-Jürgen Passeck (1989 – 1990)


 

Die Aufstellung des GR-35 erfolgt zum 23. August 1962 gemäß Befehl Nr. 99/62 des MfNV am Standort Berlin-Rummelsburg. Das Regiment untersteht bis 1971 der 1. GBr. der Stadtkommandantur der Hauptstadt der DDR, Berlin. 

Die ersten Planungs- und Bautätigkeiten der Standorte des GR-38 (Hennigsdorf bis 1971 GR-36) und GR-35 (Schildow bis 1971 GR-38) im Jahre 1963 sind als parallele Entwicklung zu sehen; die Gebäudestrukturen / -funktionen (Unterkunft, Versorgung und Technik) in Großplattenfertigteilbauweise sind nahezu identisch. Die Standortwahl in Schildow f.d. GR-35 wird  im II. Quartal 1963 durch das MfNV bestätigt. Der neue Kasernenstandort entsteht zwischen der Ringstraße und Franz-Schmidt-Straße mit unmittelbarer Zufahrt in die Sperrzone (500m). Hier soll der Regimentsstab und drei Kompanien (Platzbedarf für ca. 450 GT-Angehörige) untergebracht werden. Diese Grenznähe hatte nicht nur Vorteile; für die Zufahrt und sogar f.d. Regimentsgelände selbst Bestand von der leicht erhöht liegenden westlichen Seite („Lübars“ im französischem Sektor) Gefahr der „Feindeinsicht“. Kurios ist auch, dass sich der Standort "Schildow" des GR-35 seit 1971 im Sicherungsbereich des GR-38 befindet. Der Regimentsstandort unter dem Namen "Bruno-Kühn-Kaserne" wird am 15. Februar 1966 in Dienst gestellt; allerdings sollen erhebliche Baumängel und nicht fertiggestellte Baumaßnahmen den Standortbetrieb und den Untergebrachten seit Inbetriebnahme erhebliche Sorgen bereitet haben. Der Kasernenstandort scheint von Anfang an zu klein dimensioniert worden zu sein. Schon 1969 erfolgte ein Antrag auf Grundstückserweiterung. Gleichzeitig werden, wie an anderen Standorten auch die Unterkünfte (Isarstraße in Schildow) von Berufssoldaten und Offizieren außerhalb des Regimentsgeländes errichtet. Zu keinem Zeitpunkt war es f.d. GR-35 möglich alle Regimentseinheiten in Schildow unterzubringen. Mitte der 1980´er Jahre sind die 2., 4. und 5. GK, der Aufklärungszug, die Artillerie- und Granatwerferbatterie sowie Teile der Kfz-Transportkompanie und Pionierkompanie in Schildow unterbergebracht. Der GT-Standort Schildow ging 1990 zunächst an die Bundeswehrverwaltung, wurde aber schnell der Treuhandanstalt Potsdam überlassen und galt als nicht verkäuflich. Der Regimentsstandort wurde dann schon zu Mitte der 1990`er Jahre vollständig abgetragen worden. Heute ist hier eine Einfamilienhaussiedlung entstanden. An einer Arealnutzung als Kasernenstandort der GT erinnert heute nichts mehr. 

Der Stadtkommandant Generalmajor Helmut Poppe enthüllt 1964 mit Charlotte Ulbricht (zweite Ehefrau Walter Ulbrichts) die Namenstafel "Bruno-Kühn-Kaserne" am Kasernenneubau in Schildow für das GR-38 (später GR-35) .  (Privatarchiv d. Verf.) 

 

Der Truppenteil wird mit Wirkung vom 13. März 1971 neu formiert. Am 21. Mai 1971 erfolgte auf der Grundlage des Befehls Nr. 22/70 und 138/70 des MfNV, der Anordnung Nr. 18/70 und dem Befehl Nr. 02/71 des Stadtkommandanten der Hauptstadt der DDR, Berlin sowie dem Befehl Nr. 29/71 des CGT die Unterstellung unter das neugebildete GKM. 

 

Mit Beginn des Ausbildungsjahres 1970/71 besteht das GR-35 aus:

  • Stab und sicherstellenden Einheiten,

  • Aufklärungszug,

  • Nachrichtenkompanie,

  • Pionierkompanie,

  • Diensthundestaffel,

  • Flammenwerferzug,

  • 1. bis 5. GK,

  • Bootskompanie,

  • Kanonenbatterie (Berlin, Buchholzer Strasse, ab 24. November 1971 in das im Objekt Berlin, Hauptstrasse 7),

  • Granatwerferbatterie (vor dem 2. Mai 1972 Berlin, Buchholzer Strasse),

  • Kraftfahrzeuginstandsetzungszug,

  • SiK,

  • Waffen-Instandsetzungszug,

  • Verpflegungsgruppe,

  • Transportkompanie,

  • Regimentslager und

  • Regiments-Medizinischer Punkt 

Mitteilung für Angehörige des GKM zur Festnahme von zwei Grenzverletztern im Grenzabschnitt des GR-35 in der Nacht vom 11. auf den 12, Juni 1971. (Privatarchiv d. Verf.)

 

Am 4.Oktober 1977 wird durch den Kommandeurs des GKM, Generalmajor Geyer, der Ehrenname "Nikolai Bersarin" (1945 erster sowjetischer Stadtkommandant von Berlin) dem GR-35 verliehen. 

Das GR-35 ist zunächst mit seinen Einheiten im Objekt Berlin-Rummelsburg disloziert. Im Oktober 1985 bezieht das GR-35 mit der  1. und 3. GK, der Nachrichtenkompanie, der  Kraftfahrzeugtransportkompanie, dem Lager Unterkunftsdienst, dem Regiments-Medizinischer Punkt und dem Grenzübergangssicherungszug das Objekt des aufgelösten Grenzübergangsstellen-Sicherungsregimentes-26 (die Sicherungskompanien wurde ab diesem Jahr den GR direkt unterstellt) in Berlin-Niederschönhausen in der "Walter-Husemann-Kaserne"untergebracht. Verwirrend ist in diesem Zusammenhang, dass aber der Regimentsstandort des GR-35 (später ab 1985 GR-36) in Berlin-Rummelsburg den Kasernennamen "Nikolai-Bersarin-Kaserne" (die Verleihung erfolgt am 27.09.1969)erhalten hat. Dieser Standort (GR-36) wiederum erhalt am 1. Dezember 1987 den Ehrennamen "Helmut Poppe". Der Regimentsstandort in Berlin-Niederschönhausen ist heute noch gut erkennbar. Die meisten Gebäudeteile (ehemalige Wehrmachtskaserne) sind noch erhalten und in der baulichen Zuordnung gut erkennbar.  

Im Zusammenhang mit dem Umbruch im November 1989 öffnen am 11. bzw. 13. November 1989 die GÜSt Eberswalder Strasse sowie Wollankstrasse. Im Februar 1990 beginnt der Bau der GÜSt Kopenhagener Strasse, die im April 1990 eröffnet wird. Von nun an findet nur noch eine Grenzüberwachung statt, die als Hauptaufgabe die Verhinderung der Zerstörung der pioniertechnischen Anlagen zu erfüllen hatte. Mit eigenen Kräften wird mit dem Abbau von pionier- und signaltechnischen Anlagen, insbesondere der Postentürme und Führungsstellen, begonnen und die Gefechtstechnik abmunitioniert und abverfügt. 

Im Februar 1990 nimmt das Grenzregiment-35 die Struktur des Grenzkommandos MITTE ein. Die Einheiten und Einrichtungen aus dem Standort Schildow wurden nach Niederschönhausen verlegt. 

Am 1. Juli 1990 entfällt die Personen- und Zollkontrolle in Berlin und an der innerdeutschen Grenze. Damit ist die Aufgabe des Grenzregiments-35 zur Grenzüberwachung und Grenzkontrolle beendet.

 

Im Herbst 1989 besteht folgende Struktur:  

BezeichnungAdresse 
 PostfachSiegelcode
1. Grenzkopanie1110 Berlin-Niederschönhausen, Buchholzer Straße 4 ??
2. GK "Reinhold Huhn" (01.12.1987)1413 Schildow, Franz-Schmidt-Straße 47-55??
3. Grenzkompanie1110 Berlin-Niederschönhausen, Buchholzer Straße 4??
4. Grenzkompanie 1413 Schildow, Franz-Schmidt-Straße 47-55 ?  ? 
5. Grenzkompanie 
1413 Schildow, Franz-Schmidt-Straße 47-55??

 

  • Regimentsleitung, 1413 Schildow, Franz-Schmidt-Straße 47-55
  • Artillerie- und Granatwerferbatterie, 1413 Schildow, Franz-Schmidt-Straße 47-55
  • Pionierkompanie, 1413 Schildow, Franz-Schmidt-Straße 47-55
  • Kfz-Transportkompanie, sowohl in Schildow als auch in Berlin-Niederschönhausen
  • Nachrichtenkompanie, 1110 Berlin-Niederschönhausen, Burchholzer Straße 4, PF (?)
  • GÜST-Straße "Bornholmer Straße", Berlin-Prenzlauer Berg, Bornholmer Straße, PF (?)
  • GÜST-Sicherungszug, 1110 Berlin-Niederschönhausen, Buchholzer Straße 4, PF 17563
  • Medizinischer Stützpunkt, 1110 Berlin-Niederschönhausen, Buchholzer Straße 4, PF (?)
  • Leitung Unterkunftsdienst, 1110 Berlin-Niederschönhausen, An der Industreibahn, PF (?)
  • Grenzaufklärungs-Zug, 1165 Berlin, PF 45288  

Quellen: 

- NVA-Standortdatenbank "Militärgeschichtliches Forschungsamt" in Potsdam

- Jochen Maurer "Dienst an der Mauer" Ch. Links verlag, Berlin 2011 

- Axel Klausmeier "Hinter der Mauer" Ch. Links Verlag, Berlin 2012

- https://www.archivesportaleurope.net/ead-display/-/ead/pl/aicode/DE-1958/type/hg/id/Beständeübersicht/ - letzter Besuch Mai 2019

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